Berufsunfähigkeitsversicherung
Das musst du über die Berufsunfähigkeitsversicherung wissen
Anja Glorius
22. Juni 2026

Den eigenen Beruf nicht mehr ausüben zu können, klingt unwahrscheinlich, ist aber ein realistisches Risiko. Nach Angaben des Gesamtverbands der Versicherer (GDV) wird etwa jeder Vierte im Laufe des Erwerbslebens berufsunfähig. Die staatliche Absicherung reicht dann in den seltensten Fällen aus, um den Lebensstandard zu halten. Wie dich eine Berufsunfähigkeitsversicherung schützt, wann sie leistet und worauf du achten solltest, erkläre ich dir in diesem Beitrag.
Das Wichtigste auf einen Blick
Was die BU leistet: Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) zahlt eine monatliche BU-Rente, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben kannst.
Für wen sinnvoll: Für nahezu alle, die von ihrem Einkommen leben, unabhängig von Büro- oder körperlicher Tätigkeit.
Warum staatlich zu wenig: Die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente lag bei Neuzugängen 2024 bei nur rund 1.041 Euro im Monat (Deutsche Rentenversicherung)
Wichtigste Tarif-Regel: Achte auf den Verzicht auf die abstrakte Verweisung und eine ausreichende Nachversicherungsgarantie.
Was ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung?
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (auch BU, BUV oder BU-Versicherung) zahlt dir eine monatliche Rente, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kannst. Eine Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn du voraussichtlich für mindestens sechs Monate nicht mehr arbeiten kannst. Eine lebenslange Berufsunfähigkeit ist für den Leistungsanspruch nicht erforderlich.
Die 50-Prozent-Regel: Die Versicherung zahlt die vereinbarte BU-Rente, sobald du mindestens 50 % deiner bisherigen beruflichen Leistungsfähigkeit verloren hast, also rund die Hälfte deiner gewohnten Tätigkeit nicht mehr erledigen kannst.
Wann leistet die BU-Versicherung?
Die BU leistet unabhängig davon, wodurch die Berufsunfähigkeit ausgelöst wurde, ob durch Krankheit oder Unfall. Die BU-Rente erhältst du, solange die Berufsunfähigkeit andauert, längstens bis zum vertraglich vereinbarten Endalter (in der Regel der Renteneintritt mit 67 Jahren).
Warum eine BU so wichtig ist: die häufigsten Ursachen
Die meisten Menschen unterschätzen, dass nicht Unfälle, sondern Krankheiten der häufigste Grund für Berufsunfähigkeit sind. Besonders psychische Erkrankungen haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Nach der aktuellen Auswertung von Morgen & Morgen (2026) verteilen sich die Ursachen so:
Psychische Erkrankungen – 32 Prozent
Erkrankungen des Bewegungsapparats – 18 Prozent
Krebserkrankungen – 16 Prozent
Unfälle – 7 Prozent
Herzerkrankungen – 6 Prozent
Wichtig: Psychische Erkrankungen treffen alle Berufsgruppen, auch Büro- und Akademikerberufe. Die verbreitete Annahme, nur körperlich Arbeitende bräuchten eine BU, ist damit überholt.
Für wen ist eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit sinnvoll?
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist für dich sinnvoll, wenn du finanziell auf dein Einkommen angewiesen bist. Das trifft auf die allermeisten Erwerbstätigen zu, ob angestellt, selbstständig, in Ausbildung oder bereits erfahren im Job.
Deine Arbeitskraft ist dein größtes Vermögen. Der mittlere Bruttoverdienst Vollzeitbeschäftigter lag 2025 bei 54.066 Euro im Jahr (Median, Statistisches Bundesamt). Über 25 Jahre summiert sich das auf mehr als 1,35 Millionen Euro. Fällt diese Arbeitskraft durch Krankheit oder Unfall weg, lässt sich der Verlust kaum aus Ersparnissen ausgleichen, während ein deutlich geringwertigeres Auto meist selbstverständlich vollkaskoversichert ist.
Berufsunfähigkeitsversicherung
Für wen lohnt sich eine BU weniger?
Beamtinnen und Beamte haben bei Dienstunfähigkeit grundsätzlich Anspruch auf ein Ruhegehalt. Eine klassische BU ist hier nur dann nötig, wenn das Ruhegehalt nicht ausreicht. Sinnvoll ist stattdessen häufig eine Dienstunfähigkeitsversicherung, besonders für Beamtinnen und Beamte auf Probe oder Widerruf, die noch keinen vollen Anspruch auf Ruhegehalt haben.
Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?
Was deine BU-Versicherung kostet, lässt sich pauschal nicht sagen. Schließlich hängen die Beiträge von mehreren Faktoren ab. Folgende Punkte beeinflussen dabei die Beitragshöhe:
Beruf: Je körperlich anspruchsvoller (z. B. Handwerk), desto höher der Beitrag.
Gesundheitszustand: Vorerkrankungen können Zuschläge oder Leistungsausschlüsse bedeuten.
Eintrittsalter: Je jünger und gesünder beim Abschluss, desto günstiger – dauerhaft.
Höhe der BU-Rente und Laufzeit: Mehr Rente und längere Absicherung erhöhen den Beitrag.
Risikoreiche Hobbys: Etwa Klettern oder Motorradfahren können den Beitrag erhöhen.
BU: Wann und in welcher Höhe abschließen?
Schließt du eine Berufsunfähigkeitsversicherung bereits frühzeitig (zum Beispiel in deinen 20ern während des Studiums) ab, profitierst du von günstigeren Beiträgen. Welche BU-Rentenhöhe du dabei vereinbarst, ist von deinen laufenden Kosten abhängig. Die Rente sollte ausreichen, um dir bei Wegfall deines Arbeitseinkommens einen angemessenen Lebensstandard zu ermöglichen.
Welche Alternativen zur BU-Versicherung gibt es
Echte Alternativen zur BU gibt es kaum – die gängigen Optionen bieten weniger Schutz. Ein Überblick:
Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente
Geld sparen und Vermögen aufbauen
Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente als BU-Alternative
Hast du in den letzten fünf Jahren mindestens 36 Monate in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt, kann dir bei voller Erwerbsminderung eine staatliche Rente zustehen. Diese fällt jedoch niedrig aus: Bei Neuzugängen 2024 lag die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente bei rund 1.041 Euro im Monat (2023: rund 1.001 Euro; Deutsche Rentenversicherung). Für die meisten reicht das nicht, um die laufenden Kosten zu decken.
Wie viel Erwerbsminderungsrente erhalte ich?
Wie viel Rente aufgrund der Erwerbsminderung du aktuell im Falle einer Berufsunfähigkeit erhältst, entnimmst du deiner jährlichen Renteninformation.
Wichtig zu wissen – aktuelle Regelungen:
- Eine volle Erwerbsminderungsrente erhältst du nur, wenn du in keinem Beruf mehr als drei Stunden täglich arbeiten kannst, unabhängig von deiner Qualifikation.
- Seit dem 1. Juli 2024 erhalten rund 3 Millionen Bestandsrentner:innen (Rentenbeginn 2001–2018) einen Zuschlag von 7,5 % bzw. 4,5 % auf ihre Erwerbsminderungsrente.
- Seit 2024 ist die Erwerbsminderungsrente abschlagsfrei, wenn sie mit mindestens 65 Jahren beginnt; bei früherem Beginn gelten Abschläge von bis zu 10,8 %.
- Hinzuverdienst ist begrenzt: Bei voller Erwerbsminderung liegt die Grenze 2026 bei 20.763,75 Euro im Jahr; zudem ist eine bis zu sechsmonatige Arbeitserprobung möglich.
Erwerbsunfähigkeits- und Grundfähigkeitsversicherung
Beide sind oft günstiger als eine BU, bieten aber weniger Schutz: Sie leisten erst, wenn du gar nicht mehr arbeiten kannst bzw. bestimmte Grundfähigkeiten verlierst, nicht schon, wenn du deinen konkreten Beruf nicht mehr ausüben kannst.
Geld sparen und Vermögen aufbauen
Den BU-Beitrag zu sparen und das Geld selbst zurückzulegen, geht nur auf, wenn die Berufsunfähigkeit erst spät im Berufsleben eintritt.
Hierzu ein Beispiel:
Wirst du mit 53 berufsunfähig, bleiben bis zur Rente 14 Jahre. Für monatlich 2.000 Euro bräuchtest du rund 336.000 Euro Erspartes. Hinzu kommen geringere spätere Rentenansprüche, weil du nicht mehr einzahlst.
Worauf du beim Abschluss achten solltest
BU-Rente hoch genug ansetzen
Wähle die BU-Rente so, dass sie deine laufenden Kosten deckt. Als Faustregel gelten 70 bis 80 % deines Nettoeinkommens.
Auf einen verlässlichen Versicherer setzen
Im Leistungsfall zählt, dass die BU-Rente zügig und zuverlässig ausgezahlt wird. Aktuelle Ratings (z. B. von Stiftung Warentest, Franke & Bornberg oder Morgen & Morgen) und eine gute Leistungsquote sind wichtige Orientierungspunkte.
Nachversicherung und Leistungsdynamik
Damit deine Rente auch in 20 oder mehr Jahren noch zum Leben reicht, sollte sie nachträglich anpassbar sein. Eine Nachversicherungsgarantie erlaubt dir, die Rente bei bestimmten Anlässen (z. B. Gehaltssprung, Heirat) ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen. Eine Leistungsdynamik sorgt dafür, dass eine bereits laufende BU-Rente regelmäßig steigt.
Keine abstrakte Verweisung
Bei manchen Tarifen darf der Versicherer die Zahlung verweigern, wenn du theoretisch einen anderen Beruf ausüben könntest. Unabhängig davon, ob du eine solche Stelle tatsächlich findest. Das nennt sich abstrakte Verweisung und ist für dich ein erhebliches Risiko. Achte darauf, dass dein Tarif ausdrücklich auf die abstrakte Verweisung verzichtet, damit du im Leistungsfall nicht ohne Job und ohne Rente dastehst.
Ergänzende Bausteine: AU-Klausel und Krankentagegeld
Eine Arbeitsunfähigkeitsklausel (AU-Klausel) leistet bereits bei längerer Krankschreibung – noch bevor eine Berufsunfähigkeit feststeht. Ergänzend kann eine Krankentagegeldversicherung sinnvoll sein, um Einkommenslücken bei vorübergehender Erkrankung zu schließen.
Berufsunfähigkeitsversicherung zusammengefasst
Deine Arbeitskraft ist dein wertvollstes Gut und psychische Erkrankungen können sie jederzeit treffen, in jedem Beruf. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente federt den Einkommensverlust nur unzureichend ab. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit ausreichender Rentenhöhe, Verzicht auf abstrakte Verweisung und solider Nachversicherung sichert deinen Lebensstandard ab. Wir beraten dich dazu gerne kostenfrei – trag dich einfach ein.
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Häufig gestellte Fragen zur Berufsunfähigkeitsversicherung
Was ist eine BU?
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) zahlt eine monatliche Rente, wenn du deinen Beruf aufgrund von Krankheit oder Unfall zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben kannst. So gleicht sie den Wegfall deines Einkommens aus.
Ab wann gilt man als berufsunfähig?
Als berufsunfähig giltst du, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich für mindestens sechs Monate zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben kannst.
Wie hoch sollte die BU-Rente sein?
Als Orientierung gelten 70 bis 80 % deines Nettoeinkommens, damit deine laufenden Kosten im Leistungsfall gedeckt sind.
Was ist die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit?
Psychische Erkrankungen wie Depression oder Burnout sind mit rund 32 % der häufigste Auslöser (Morgen & Morgen, 2026) – sie betreffen alle Berufsgruppen.
Wird die BU-Rente auf die Erwerbsminderungsrente angerechnet?
Nein, deine private BU-Rente erhältst du zusätzlich zu einer eventuellen gesetzlichen Erwerbsminderungsrente.
Greift die BU bei Vorerkrankungen?
Bestehen vor Abschluss chronische Erkrankungen oder Vorerkrankungen, kann der Versicherer dafür einen Leistungsausschluss oder Beitragszuschlag vereinbaren. Eine ehrliche Beantwortung der Gesundheitsfragen ist entscheidend.